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Professor Bernhardi



Krimi-Fans kennen ihn als Hauptkommissar Peter Faber aus dem Dortmunder Tatort: Jorg Hartmann, 2016 mit der Goldenen Kamera als bester deutscher Schauspieler ausgezeichnet, ist neben seinen Fernsehrollen aber auch dem Theater treu geblieben. Zurückgekehrt ins Ensemble der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz, spielt er dort die Titelrolle in Arthur Schnitzlers Stück Professor Bernhardi in einer Fassung des künstlerischen Leiters Thomas Ostermeier (Regie) und von Florian Borchmeyer (Dramaturgie). Für die Schaubühne ist es der erste Besuch in Luxemburg. Obwohl als Komödie bezeichnet, geht es in dem Stück um das eher tragische Schicksal eines Klinikarztes. Der Internist Bernhardi verweigert einem katholischen Priester den Zutritt ins Krankenzimmer einer Frau, die nach den Komplikationen infolge einer Abtreibung im Sterben liegt. Der Mediziner will die Patientin nicht aus ihrer Illusion reisen, sie befinde sich auf dem Weg der Genesung. "Ich habe einfach in einem ganz speziellen Fall getan, was ich für das Richtige hielt", sagt er später. Doch weil Bernhardi judischer Abstammung ist, wird ihm sein Verhalten als christenfeindlich ausgelegt. Er landet für kurze Zeit im Kerker und verliert seine berufliche Existenz.

Schnitzler - Jude mehr nach der Herkunft als nach dem Glauben - war selbst Arzt, assistierte als junger Mann seinem Vater an der Wiener Poliklinik und erlebte in dieser Zeit den aufkommenden Antisemitismus. Sein in Österreich zunächst verbotenes und daher 1912 in Berlin uraufgeführtes Stück beschreibt das Spannungsfeld zwischen der individuellen Ethik Bernhardis, dem karrieristischen Opportunismus des Ministers Flint und der judenfeindlichen Ideologie der Gesellschaft. Regisseur Thomas Ostermeier geht in seiner Inszenierung der Frage nach: "Was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn sie zwischen divergierenden Deutungen immer weiter zerrieben wird?"

» Ostermeier und sein Dramaturg Florian Borchmeyer haben das wortreiche, hundert Jahre alte Ärztedrama Professor Bernhardi von Arthur Schnitzler entschlossen entaustriakisiert und in einen zeitlosen White Cube gestellt. (...) kein Atmosphären-, sondern ein Denk- und Wörterraum. (...) Auf 13 Bernhardi-Gegenspieler und -Verteidiger hat Ostermeier Schnitzlers 23-köpfigen Cast reduziert; das bedeutet 13 unterschiedliche Argumentationslinien, Interessenvertretungen, Taktiken, die (...) aufeinanderprallen, sich verbünden, aushebeln, das Epizentrum umschleichen: den Titelheld Professor Bernhardi, Jörg Hartmann (...) macht Bernhardi zum Inbegriff des Zivilen, ein freundlicher, gelassener, argloser Mensch, der die Aufbauschung seiner Spontanentscheidung zum Skandal lange nicht ernst nimmt. (...) Ein Vertreter des Humanen, der jede Verallgemeinerung, Religion und Ideologie von sich weist, cool, gelassen, vernunftbegabt. Ein ruhiger Eigensinnler, das Gegenbild zum lauten Populisten. (...) In Zeiten von Trump, Pegida, AfD (denkt man mit, während Gawenda scharf weiter stichelt) ist Bernhardi vielleicht wirklich nur "ein Rindvieh"? Auf der moralisch richtigen Seite zu stehen, reicht nicht mehr: "Es geht nämlich um's Ganze." Am Ende sitzt der Sympathieträger sehr allein auf der Bühne. Das Lächeln ist nicht nur ihm vergangen. Theater heute, Barbara Burckhardt

» Ein starkes fünfzehnköpfiges Ensemble spielt bezwingend (fast möchte man sagen: bezaubernd) Missgunst, falsche Loyalität, Kriechertum, Heimtücke, Feigheit. Eiskalte Lebenslichter, die sich auf den Docht gehen. Menschen, ins Karriere-Säurebad gekippt, wo sie zu Bazillen kleinzerfressen werden, die sich böse in den Pelz der Gesellschaft und des jeweils Nächsten krallen. Neues Deutschland, Hans-Dieter Schütt

» ... ein großartiger Theaterabend, einer der besten des Jahres in Berlin. Regisseur Thomas Ostermeier landet mit Professor Bernhardi an der Schaubühne einen Volltreffer. (...) Es geht um Antisemitismus, Rassismus, um verdrehte Fakten und darum, wie Interessen instrumentalisiert werden. (...) Ein Abend, der das Denken anregt. Ostermeier setzt ihn eindringlich in eigener Textfassung auf die Bretter: leise, genau und unparteiisch. Grandios. HNA, Andrea Hilgenstock

» Thomas Ostermeier hat alle fünfzehn Schauspieler liebevoll, sorgfältig und gekonnt aufeinander wie auf seine Fernsehästhetik eingestimmt, ob sie ihre Empörung über die "Populisten" im Parlament oder über das Gerichtsurteil ausdrücken, ob die einen gegen Bernhardi sind oder die anderen für ihn. Der sitzt am Schluss dieser "Tragikomödie des Eigensinns" völlig allein auf der Bühne.  Frankfurter Allgemeine Zeitung, Irene Bazinger




Mit Damir Avdic, Veronika Bachfischer, Thomas Bading, Robert Beyer, Johannes Flaschberger, Christoph Gawenda, Moritz Gottwald, Jörg Hartmann,  Laurenz Laufenberg, Eva Meckbach, David Ruland, Konrad Singer, Sebastian Schwarz, Lukas Turtur, Hans-Jochen Wagner Regie Thomas Ostermeier
Bühne Jan Pappelbaum
Kostüme Nina Wetzel
Musik Malte Beckenbach
Bildregie Matthias Schellenberg
Kamera Moritz von Dungern, Joseph Campbell, Florian Baumgarten
Videodesign Jake Witlen
Dramaturgie Florian Borchmeyer
Licht Erich Schneider
Wandzeichnungen Katharina Ziemke Produktion Schaubühne BerlinVendredi 26  JANVIER 2018 à 20h00 (tickets)
Samedi 27  JANVIER 2018 à 20h00 (tickets)
DURÉE environ 2h45 (pas d'entracte) Einführung zum Stück von Frau Simone Beck eine halbe Stunde vor jeder Vorstellung (in Deutsch)
Adultes 25 , 20 , 15 / Jeunes 8 / Kulturpass bienvenu
Lieu: Grand Théâtre / Grande Salle réduite  

Dates

Sa 27 January 2018 20:00 Horaire

Venue

Grand Théâtre de la Ville de Luxembourg
1 Rond-point Schuman
L-2525 LUXEMBOURG
Luxembourg

Tickets
Contact

www: www.theatres.lu/-p-20002828.html

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