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Besonderheiten

Allen Klischees zum Trotz: Luxemburg hat noch etwas anderes als Banken, billige Zigaretten und niedrige Benzinpreise, nämlich ein sehr reges (multi-)kulturelles Leben!

Das in Luxemburg seit jeher lebendige Theaterschaffen hat in den letzten Jahrzehnten eine unvergleichliche Entwicklung erlebt. Binnen weniger Jahre hat sich Luxemburg zu einem Zentrum entwickelt, an dem in der internationalen Theaterlandschaft kein Weg mehr vorbei führt. Die Kompetenz und das Engagement der Theaterintendanten – ob im privaten oder öffentlichen Bereich –, die Professionalisierung der Bühnenberufe sowie der Wille der öffentlichen Entscheidungsträger, das Theater zu fördern, haben das Theaterangebot erheblich bereichert.

Nachfolgend findet sich eine kurze Übersicht über Besonderheiten des luxemburger Theaterschaffens. Detaillierte Informationen zur Geschichte des Theaters in Luxemburg sowie zu einzelnen Theaterhäusern können in der Broschüre „A propos... Theater in Luxemburg“ nachgelesen werden (herausgegeben vom Presse- und Informationsamt der Luxemburgischen Regierung, 2007).
 

Vielsprachigkeit

Die klassischen Bühnensprachen luxemburger Theater sind Deutsch und Französisch. Daneben erobert seit einigen Jahren auch vermehrt die Landessprache Luxemburgisch die Bühnen, eine Sprache, die trotz einheitlicher Orthographie (seit 1974) und ihrem Rang als Nationalsprache (seit 1984 gesetzlich verankert) und als Verwaltungssprache (neben Deutsch und Französisch), im täglichen Gebrauch eher eine gesprochene als eine geschriebene Sprache bleibt. Da einige der luxemburgischen Regisseure vor allem der jüngeren Generation ihre Ausbildung im englischsprachigen Ausland absolviert haben, sind zunehmend auch Produktionen in englischer Sprache zu sehen und dies sowohl in den großen städtischen Häusern (Luxemburg-Stadt, Esch-sur-Alzette) als auch in den regionalen Kulturzentren. Die Multikulturalität der luxemburgischen Gesellschaft (ca. 44,5% Ausländer) trägt dazu bei, dass – wenn auch in geringerem Ausmaß – Stücke in anderen Sprachen (z.B. Italienisch, Niederländisch, Polnisch) regelmäßig das Theaterprogramm bereichern.
 

Sparten

Wer in Luxemburg ins Theater geht, kann allabendlich zwischen einer Vielzahl an interessanten Aufführungen wählen. Obwohl das Land sehr klein ist, ist das Theaterprogramm äußerst vielfältig und abwechslungsreich. Viele Theater und Kulturhäuser Luxemburgs bieten ihrem Publikum verschiedene Sparten unter einem Dach an, und zwar meistens Sprechtheater, Tanztheater, Musiktheater (Oper, Operette, Musical) sowie Stücke für Junges Publikum. Einige Häuser haben sich auf eine bestimmte Sparte spezialisiert, und ihr Programm ist entweder ausschließlich oder größtenteils darauf ausgerichtet. Dies betrifft vor allem die Sparten deutsches Sprechtheater, französisches Sprechtheater, Theater für Junges Publikum und Tanz. Daneben gibt es in Luxemburg auch freie Gruppen, ohne feste Spielstätte, welche die klassischen Pfade verlassen und interdisziplinäre Projekte veranstalten oder nach ungewöhnlichen Aufführungsideen und -orten suchen. Je nach Ausrichtung des Hauses finden auch literarische Projekte Eingang in das Programm, zum Beispiel in Form von Autorenbegegnungen, thematischen Lesungen oder Festivals. In den Kulturhäusern wird das Programm meistens noch von Musikveranstaltungen, Ausstellungen und Vortragsreihen umrahmt.
 

Produktionen

Für ein Land mit 537.000 Einwohnern und einer Gesamtfläche von 2586 km2 besitzt das Großherzogtum eine einzigartige Dichte an kulturellen Einrichtungen im Bereich Theater und Tanz. Ob oder gerade wegen der geringen Größe des Landes und der damit einhergehenden guten Vernetzung der Häuser untereinander, wird in Luxemburg viel Theater produziert, wobei die Eigenproduktionen und Koproduktionen den größten Platz in den Spielplänen einnehmen, dicht gefolgt von Gastspielen aus dem Ausland.

Wichtige Partner für die einheimischen Produktionen sind vor allem die regionalen Kulturhäuser, die quer über das Land verteilt sind. Oft wird ein Stück in Luxemburg-Stadt uraufgeführt bevor es auf Tournee zu ein, zwei oder mehreren Kulturhäusern in den verschiedenen Regionen geht. In den großen Häusern der Ballungsgebiete Luxemburg-Stadt und Esch-sur-Alzette stehen hauptsächlich internationale Gastspiele und Koproduktionen auf dem Spielplan. Die Grenzen sind hier jedoch fließend, denn auch die großen Häuser produzieren selbst und können als Partner für einheimische Produktionen nicht weggedacht werden. Gleiches gilt für die privaten, meist kleineren Theater der Hauptstadt. Diese bringen hauptsächlich Eigenproduktionen auf die Bühne und koproduzieren Stücke freier Gruppen.
 

"Intermittents"

Ein Charakteristikum des luxemburgischen Theaterbetriebs ist die Nichtexistenz von fest an Theatern engagierten Ensembles. Weder im Bereich Tanz noch im Bereich Theater arbeiten die Künstler mit festen Engagements. Bühnenberufe werden in Luxemburg mit dem Status des „intermittent“ ausgeführt. Das heißt, dass ein Künstler, ein Regisseur oder Bühnenbildner immer nur für die Zeit einer Produktion einen Vertrag hat. Dies lässt dem Künstler viele Freiräume, stellt aber auch ein nicht geringes Risiko dar, denn es bedeutet für ihn, sich immer vom Vertrag zu Vertrag zu hangeln. Die berufliche Situation der Künstler wird in Luxemburg vom sogenannten "Loi concernant a) le statut de l'artiste professionnel indépendant et l'intermittent du spectacle b) la promotion de la création artistique" geregelt.